FRANZ JYRCH

NICKEN & SCHÜTTELN

Franz Jyrch, From here it's all downhill, 2014, 230×260×50 cm, Foto: anna.k.o.

Franz Jyrch (*1980) kombiniert Objekte, reduktionistisch-abstrakte Leinwände und Texturen zu fragilen Skulpturen und räumlichen Anordnungen. Keilrahmen, Stoffe und Farben werden dekonstruktiv als Basiselemente der Malerei freigelegt. In neu formulierten Arrangements bleiben sie als Rest erhalten und werden zum integralen Rohstoff, den sie mit Materialien wie Eimer, Plastiktüte, Handschuh oder anderen Alltagsgegenständen zu temporären Objekten und Konstellationen zusammenfügt.
Hier durch das sanfte Lösen der Leinwand vom Rahmen, dort durch das vollständige Entkleiden der Leinwandhülle vom Bildträger, entstehen durch Neuordnung und Kombination multivalente Formen und drappierte Gebilde von sinnlich-materialhafter Präsenz und diffusem Assoziationsradius.
In einer konzeptuell orientierten, eigenständigen Bildsprache entwirft Franz Jyrch artifizielle Synthesen und Konstruktionen, die in ihrer Anmutung abstrakt, fragmentarisch und unvertraut bleiben. Als Kippbild wird diese Distanz simultan gebrochen – in der visuellen Erfahrung einer, in der dynamischen Bewegung im Raum erstarrten, lebensnahen Körperhaftigkeit ihrer skulpturalen Gruppierungen: An die Wand gelehnte textile Faltungen und frei stehende Lattenkonstruktionen lassen, in ihrer fein austarierten Proportionalität und Positionierung im Raum, an organisch gewachsene Gefüge mit anthropomorphen Regungen denken.
Ihre Arbeiten entstehen im Rückgriff auf einen Fundus aus strategisch selektierten Materialien sowie bereits künstlerisch bearbeiteten Leinwänden und Objekten, die stets in ihrer Unabgeschlossenheit und nicht fixierten Ambivalenz gedacht werden – und in Testreihen im Atelier einer permanenten Revision und Umwidmung unterzogen werden. Franz Jyrchs installative Setzungen im Ausstellungsraum lassen diese bewusst integrierte Prozessualität und Mutabilität im künstlerisch-methodischen Agieren spürbar werden.