30. September – 12. November 2016

Distinktion – Modelle des Strafvollzugs

Katrin Michel

HM Prison Brinsford (Detail), Glas, Papier, Gips, 60 x 60cm, 2016
HM Prison Brinsford (Detail), Glas, Papier, Gips, 60 x 60cm, 2016

Katrin Michel zeigt Modelle und Materialien als Ergebnis ihrer Recherche zu gegenwärtigen Tendenzen des Strafvollzugs. Begleitend zeigen wir einen Ausschnitt aus Thomas Heises Film Material. Titelgebend für die Ausstellung ist der gleichnamige Text des französischen Soziologen Pierre Bourdieu, ins Deutsche übersetzt: „Die feinen Unterschiede“.

Während Bourdieu die französische Bourgeosie analysiert, widmet sich die Künstlerin Katrin Michel einer Betrachtung, die das Ende des  wohlfahrtsstaatlichen Prinzips am Beispiel des Strafvollzugs zum Gegenstand nimmt. Gezeigt werden ca. ein dutzend plastischer Modelle unterschiedlicher Gefängnisarchitekturen.

Der Schwerpunkt liegt dabei auf Anstalten, die in ihrer jeweiligen Erscheinungsform und ihrer Einbettung in die Umgebung unterschiedliche Auffassungen des Strafvollzugs widerspiegeln. Es werden Einrichtungen aus den USA, UK, Norwegen und Deutschland untersucht. Während in den USA und UK bereits in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts eine Abkehr vom Resozialisierungsgedanken mit umfassender Privatisierung erfolgte, hat sich diese Entwicklung heute längst auch in anderen Ländern vollzogen. Die erste Teilprivatisierung erfolgte in Deutschland 2004. In den skandinavischen Ländern wurde zunächst eine andere Richtung eingeschlagen, die einen grösstmöglichen Kontrast dazu bildet.

 

Fengsel Bergen-Osteroy

Die Gefängnisinsel Osteroy in der Nähe von Bergen/ Nordnorwegen, ist nicht nur landschaftlich sehr beeindruckend: eine von schneebedeckten Berggipfeln umgebene Insel in glasklarem stillen Wasser der Fjorde, die biblische Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt mit ihren Schafen, Feuerholzvorräten, kleinen Holzhäusern und Werkstätten. Auf Fengsel Bergen-Osteroy befindet sich ein Low-Security Gefängnis, in dem derzeit ca. vierzig Insass_innen ihre Haftstrafe absolvieren, darunter 9 Frauen. Sie werden nicht in besonderer Weise getrennt. Der gemeinsam zubereitete Lunch wird auch gemeinschaftlich eingenommen.
Die angestellten Officers verzichten auf das Tragen von Uniformen oder sonstigen Dienstabzeichen, so dass es mir als Aussenstehender nicht möglich war, Personen auf der Insel in Häftlinge und Gefängnispersonal zu unterscheiden. Die Einrichtung ist beispielhaft und erfolgreich. Gegründet in der Nachfolge einer Schule für schwererziehbare Kinder existiert das Gefängnis seit den 1970er Jahren. Die Gefangenen erhalten eine Schulbildung, die von unabhängigen Lehrer_innen angeboten wird, die auch ausserhalb des Gefängniskontextes arbeiten. Abschlüsse aller Niveaus können nachgeholt werden.

Veranstaltungen

Eröffnung am Freitag, 30 September um 19:00


Samstag, 8. Oktober, 20:00

Gespräch mit Katrin Michel
Moderation: Prof. Dr. Kornelia von Berswordt-Wallrabe

Dienstag, 11. Oktober, 19:00
Film: Städtebewohner von Thomas Heise
Der Film erzählt vom Alltag junger Männer in einem Gefängnis von Mexiko-Stadt,
in der Comunidad “San Fernando”.

Freitag, 4. November, 19:00
Vortrag: Hans-Christian Dany
Morgen werde ich Idiot / Die reformierte Gefängnisinsel,
Kybernetik und Kontrollgesellschaft.

Fengsel Bergen-Osteroy, Offset, 29,7 x 42cm, 2016
Fengsel Bergen-Osteroy, Offset, 29,7 x 42cm, 2016