Jenny Brosinski

Doch.

Jenny Brosinski (*1984 Celle, lebt in Berlin) entwirft minimalistische Bildgefüge mit einer – das Hier und Jetzt, ihre subjektive Wahrnehmung und Erinnerung streifenden – Abstraktion mit vereinzelten figuralen Elementen, die von der Simultanität urbaner Dynamik und der damit verbundenen Semiotik großstädtischer Orte, Bilder und Codes inspiriert ist.

Ihre Bilder führen einen radikal reduzierten, lockeren Ansatz vor: Farbsprenkel in Neon, Schmutzpartikel, wuchernde Kritzelei, vereinzelte Linien, kleine Notationen, Kratzer, Verwischungen, Übermalungen und Olivenölflecken sind cool arrangiert. Alles suggeriert eine schnelle, spontane, vielleicht sogar mutwillig nachlässige Entstehung. Die Raffinesse liegt in der schwebenden Balance der Bildelemente zueinander, die Jenny Brosinski durch eine gleichermaßen auch behutsame, prozessorientierte Herangehensweise bewirkt.

Der Prozess aus Aktion und Revision, aus einem ganz physischen Addieren und Subtrahieren, ist wesentlicher Bestandteil ihrer Malerei. Auf ein Herantasten und Andocken an die Leinwand mit Fingern, Pinsel oder Spraydose folgt ein dekonstruierendes Weiterentwickeln. Mit einem überzeugten „Ja“ zum absichtlichen, und trotzdem auch spielerischen, Pentimenti werden, im künstlerischen Ringen mit Linien, Formen und Farbflächen, einzelne Partien immer wieder annulliert – durch Abduschen, Wegwischen, Übermalen oder demonstratives Durchstreichen von Text- oder Bildelementen.
Zurück bleiben oft nur spurenhafte Rückstände von Flüssigkeiten und Pigmenten auf der Oberfläche. Hingehauchtes, Verwässertes, Gebrauchsspuren. Jenny Brosinskis formale Reduktion ist konsequentes Resultat ihrer Faszination für die sensuellen Qualitäten der verwendeten Materialien.